form condensed, 3.


From my monthly column in form magazine. You are what you wear.
Aus meiner regelmäßigen Kolumne in der form. An ihren Klamotten sollt ihr sie erkennen

You are what you wear.

Recently in Frankfurt, a public debate on the occasion of the German Design Council’s 50th anniversary: the place is festive and people are dressed accordingly. It is easy to distinguish between those active in the design profession and those who commission design, comment on it or run the business part of it. The real or the intended proximity to the profession seems obvious, simply judged by the absence of decoration around men’s necks. Real designers don’t wear ties. What does that tell us? On the one hand, that it is both easier and more difficult for women. They need to do more than just leave their neckties at home in order to signify a creative background. On the other hand, it means that Paul Klee was spot on in saying “Only appearances are not false”. You are what you are seen to be. This makes it easy for clients to write us off as artistic weirdos, when more often than not we are just too lazy to shave every day. Isn’t it amazing that such an unspectacular act of refusal is enough to qualify a whole profession? But maybe there has been some progress. Graphic designers don’t have to wear one black and one white shoe to stand out from the crowd anymore, and certain product designers can give up wearing a heavy white sweater in all weathers, just to be instantly recognized as a designer.

On the other hand, voluntary uniforms can turn out to be very practical indeed, on both sides. If your client wears a striped tie with a navy blazer, you can take this as an obvious hint for the choice of typeface: precise serifs and well-behaved centred setting. Architects in tight turtle necks à la Ulm will most certainly only let Rotis touch their papers. Oxford shirts with button-down collars spell Anglo-american preferences, for David Ogilvy perhaps. A period after every word helps here. Like. So. Bulbous diving watches and fat fountain pens are standard kit for alumni from Californian design schools. The image of the delicate, reality-shy creative is often signified by a little goatee which threatens to be blown away by the slightest breeze. Only, however, if our pale colleague exposed himself to the outside, whence his cool, air-filled sneakers would speed him up enough to arrive early for his next appointment. And that would be disastrous. Being caught in observance of an old-fashioned virtue like punctuality could almost be detrimental to a designer’s reputation.
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An ihren Klamotten sollt ihr sie erkennen.

Neulich in der Frankfurter Paulskirche, beim 50-jährigen Jubiläum des Rates für Formgebung: Dem Anlass entsprechend feierlich gekleidet das Publikum. Leicht zu unterscheiden zwischen denen, die Design ausüben und anderen, die Design beauftragen, beschreiben oder verwalten. Die tatsächliche oder gewollte Nähe zum Gestaltungsberuf liess sich an der Abwesenheit der Manneszierde erkennen. Die „echten“ Designer trugen nämlich keine Schlipse.

Was sagt uns das? Zum einen wohl, dass die Damen es einfacher und schwerer zugleich haben. Ihnen reicht es nicht, lediglich die Krawatte daheim zu lassen um kreative Herkunft zu signalisieren. Zum andern, dass Paul Klee wohl recht hatte mit seinem Diktum „Nur der Schein trügt nicht.“ Wie man sich darstellt, so wird man eben gesehen. Die Auftraggeber wollen uns immer noch als andersartige Spinner einordnen, denen man den Bruch der Kleiderordnung schon als kreativen Akt anrechnet. Dabei ist es doch meistens einfach Faulheit, auf das Binden der Krawatte und die tägliche Rasur zu verzichten.

Erstaunlich ist, dass diese kleine Verweigerung schon reicht, einen ganzen Berufsstand zu kennzeichnen. Vor einigen Jahrzehnten musste sich ein Grafiker zum Beispiel noch durch das Tragen eines weissen und eines schwarzen Schuhs hervorheben. Ich möchte wetten, dass der Kollege diesen Gag heute täglich verflucht, nicht nur beim Schuhkauf. In vielen Köpfen reduziert der damals originelle Einfall ihn nämlich auf eben jene Fussbekleidung, anstatt auf seine Arbeit, die alleine bei weitem reichen würde, ihn von anderen Grafikern zu unterscheiden.

Der Kollege mit dem italienischen Namen wird besonders im Sommer den Einfall verfluchen, immer in dicken Strickpullovern herumzulaufen, zumal die weissen Hosen dazu ihn immer wie einen maritim orientierten Teppichverkäufer aussehen lassen. Ausserdem braucht er diese Verkleidung eigentlich nicht, weil man seine Seifenstücke sowieso gleich erkennt.

Andererseits sind freiwillige Uniformierungen ganz praktisch, auf beiden Seiten. Gestreifte Krawatten zum dunkelblauen Blazer beim Auftraggeber sind deutliche Hinweise für die Schriftwahl: Feine Serifen und wohlerzogene Mittelachse. Und der Architekt im engen Ulmer Rollkragen lässt nur kleingeschriebene Rotis an sein Papier, obwohl er selbst Grossbuchstaben schreibt. Der Button-Down Kragen am Oxford Hemd weist auf angloamerikanische Vorlieben hin in der Tradition von David Ogilvy; da hilft meist ein Punkt nach jedem Wort. So.

Dicke Taucheruhren und fette Füller sind zwar völlig unpraktisch und viel zu teuer, lassen aber sofort an den Besuch einer kalifornischen Designschule denken und bringen einen ganzen Kosmos an Bedeutungen mit sich. Selbst schwere schwarze Hornbrillen sind wieder in Mode. Sie sollen wohl andeuten, dass sich der Träger die Augen beim vielen Lesen verdorben hat. Oft wird der Eindruck des leicht weltfremden und an der bösen Realität gescheiterten Kreativen unterstützt durch ein Zickenbärtchen, das ein leichter Fahrtwind ohne Spuren wegwehen würde. Dazu müsste der blasse Designer aber an die Luft, wo ihn seine coolen, luftgepolsterten Laufschuhe so schnell beschleunigen würden, dass er zum nächsten Termin bestimmt zu früh käme. Was schlimm wäre, denn die Achtung einer solch altmodischen Sekundärtugend wie Pünktlichkeit kann für einen Designer fast ehrenrührig sein.

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Posted: Mo - März 22, 2004 at 01:13 vorm.        


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