Döskopp Publishing | Ein Interview
Für seine Diplomarbeit
als Druckingenieur stellte mir Orhan Tancgil im November 2003 einige Fragen zum
Thema DTP.
Eine Vorbemerkung zu diesem Text
(und damit auch zu anderen):
Die
Interviews sind meistens aus Email Korrespondenz kopiert.
Das bringt mit
sich:
Kleinschreibung (nicht immer
konsequent), fast immer falsche Apostrophe, also Footstrich statt hochgestelltes
Komma. Und entweder einfache Divis anstelle von Gedankenstrichen oder immerhin
der doppelte Bindestrich -- , wie wir es auf der Schreibmaschine früher
machten. Richtige An- und Abführungen kommen beim Empfänger eines
Emails (einer Email?) als alle möglichen Sonderzeichen an, deshalb
verzichte ich darauf bei dieser Korrespondenzart. Pragmatismus statt
Rechthaberei.
'
≠
’
|
-
≠–
|
--
≈
–
|
"≠„
|
"≠”
1.
DTP hat zu einer Workflow-Beschleunigung geführt. Prozesse, die früher
getrennt waren, sind an einem Arbeitsplatz bzw. hängen an einer Person. Ist
der Ablauf im Gegensatz zu Foto- oder Bleisatz wirklich schneller geworden oder
ist das ein Trugschluss?
der
ablauf ist schneller, aber zu lasten der qualität. Will man die gleiche
qualität erreichen wie zu zeiten der arbeitsteilung, braucht man wieder
arbeitsteilung. So praktizieren wir das. Satzarbeiten machen setzer, nach
vorgaben der gestalter. beide benutzen die gleiche plattform und die gleiche
software. Dadurch ist es immer noch schneller als früher, weil das
satzauszeichnen und das raten der textmenge
wegfallen.
2. DTP
bringt viele Quereinsteiger in den Markt, die sich schnell Gestalter schimpfen.
Ihre technologischen Kenntnisse sind manchmal lückenhaft, so dass
Dienstleister vor einem Korrekturaufwand stehen, der eventuell nicht bezahlt
wird (Überfüllungen, RGB-Farben, Bildauflösungen, etc.). Das
Endprodukt sieht nicht so aus, wie es der Auftraggeber erwartete. Hat DTP
dadurch zu Erleichterung geführt oder ist unerwarteter Mehraufwand
entstanden?
siehe oben. Wem
qualität egal ist, weil er sie nicht braucht oder selber nicht erkennt oder
weil er meint, seine kunden brauchten sie nicht, der hat schnell und billig ein
ergebnis, das technisch immer noch besser ist als vieles, was im fotosatz
gemacht wurde. Damals haben setzer auch nur so viel machen können, wie der
auftraggeber verlangte und bezahlen wollte. Da war genauso viel mist dabei wie
heute. Allerdings gibt es heute grundsätzlich viel mehr von allem, also
auch mehr
müll.
3. Die
typo-orthographischen Grundsätze werden immer wieder in der
Alltagsgestaltung missachtet. Das Falsche wird als richtig erachtet und auch so
weitergeführt. Sollte man diese Grundsätze (Mikrotypographie,
Rechtschreibung) tolerieren oder durch Ausbildung (schon in der Schule)
vermitteln?
da saubere sprache
der ausdruck sauberen denkens ist und typografie sichtbare sprache, ist
schlechte typografie schlechte sprache. Was schlechte sprache über den
absender sagt, wissen wir. Also bleiben regeln wichtig, wenn sie auch flexibel
gehandhabt werden sollten. Wer die regeln kennt, darf sie brechen. Wer regeln
aus dummheit oder unwissenheit bricht, zeigt damit, dass er dumm und unwissend
ist.
4. Nennen Sie
bitte aus persönlicher Sicht Ihre 7
Lieblings-DTP-Todsünden:
falscher,
weil überflüssiger apostroph; im deutschen beim genitiv nicht
nötig (Kaiser’s
Kaffee);
enge laufweite – fast
immer der grund für schlechte
lesbarkeit;
zu breite
zeilen;
miserabler und oft
überflüssiger blocksatz (die werbung kennt nichts
anderes);
zu kleine
schrift;
falsche schriftwahl
(entweder langweilig, also keine wahl: arial
et al
oder nach modischen kriterien: was
ist angesagt, was machen alle? Selten nach dem zweck, dem leser und der technik
ausgewählt);
schlecht
gegliederter text – keine zwischenüberschriften, zu lange
absätze, schlecht umbrochen, schlechte trennungen (das gehört
allerdings auch zum überkriterium schlechter satz, unter das eigentlich
alles passt)
Ein
nachsatz:
Den zollstrich anstatt
apostroph werden wir akzeptieren müssen. Er ist zwar falsch, das hat aber
keine konsequenzen, weil der einfache strich zumindest bei uns ja als trennung
zwischen 2 buchstaben auch funktioniert. Bei den amis ist das fatal: die
benutzen ja noch das zollsystem, und da kann es zu verwechslungen kommen. Bei
emails ist es gefährlich, den richtigen apostroph zu verwenden, weil ich
nicht weiss, ob der empfänger 8-bit eingestellt hat. Wenn nicht, kommen
merkwürdige zeichen an, während der zollstrich bei den ascii zeichen
dabei ist. Wir haben das system eben aus den usa übernommen. Wie kommt mein
apostroph bei dir an?
***
Posted: Fr - März 12, 2004 at 12:25 vorm.