Designpreis der Bundesrepublik
Vor ein paar Wochen wurde unsere neue
Schrift für die Deutsche Bahn für den Designpreis vorgeschlagen. Eine
andere Kandidatin hatte ihre Nominierung zum Anlass genommen, einen offenen
Brief an den Wirtschaftsminister zu schreiben und sich über die Kosten zu
beklagen, die entstehen, wenn man wirklich gewinnt. Da ich im Präsidium des
Auslobers bin, dem Rat für Formgebung, schrieb ich einen kommentar auf
fontblog.de, den ich hier zitiere, in der Rechtschreibung, wie ich sie in
E-mails und online Medien verwende.
Es wird mal zeit, dass dieses viele
halbwissen um den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland um einige fakten
ergänzt wird.
Also:
1. Die nominierung kostet 210 Euro,
sonst nix. Hier ein ausschnitt aus den
wettbewerbsbedingungen:
Anfang
zitat:
Teilnahmegebühr pro Produkt:
EUR 210.–
zzgl. MwSt.
Servicepaket pro Auszeichnung:
EUR
2.900.– zzgl. MwSt.
Präsentation:
Die
ausgezeichneten Beiträge werden in Form einer Ausstellung, eines
zweisprachigen Katalogs sowie einer Website der Öffentlichkeit
präsentiert.
Logo:
Mit der Anmeldung sind die
teilnehmenden Unternehmen berechtigt, das offizielle Signet für die
Nominierung im Rahmen der Kennzeichnung und Bewerbung des nominierten Beitrages
uneingeschränkt zu nutzen.
Ende zitat.
Für
die 210 euro kann man/frau/Juli also schon ordentlich angeben. Eine kleine
pressekampagne mit offenem brief ist natürlich noch effektiver und
sicherlich mehr wert als 210 euro. Und wenn wirklich der preisfall eintreten
sollte (die chancen stehen in etwa 800:25, bzw ca. 100:3), dann kann man immer
noch ablehnen. Nach meiner erfahrung sind allerdings € 2900 wesentlich
weniger, als ich für eine eigene PR kampagne zahlen würde, die diese
verbreitung hat. Aber wer keine PR braucht, muss nicht teilnehmen oder nicht
gewinnen.
2.
Der Rat für Formgebung
veranstaltet diesen wettbewerb. Der Rat wurde 1953 vom Bundestag für die
förderung der Guten Form gegründet, ist also die einzige staatliche
institution dieser art. Aber auch hier gibt es immer weniger staatliche
förderung, weil das ministerium der meinung ist, dass design ein
wirtschaftsfaktor ist und die finanzierung der arbeit des Rates eine subvention
der designunternehmen darstellt. Und subventionen sollen abgebaut werden. Also
erwirtschaftet der Rat für Formgebung inzwischen den weitaus grössten
teil seines budgets durch massnahmen wie ausstellungen, veranstaltungen,
publikationen und – sic – wettbewerben.
3.
Der Rat hat ein präsidium, das
die arbeit der geschäftsführung leitet und kontrolliert. Diese arbeit
ist ehrenamtlich. Ich bin seit vielen jahren in diesem präsidium, das sich
meistens in Frankfurt trifft. Das kostet mich mindestens 10 tage im jahr und
reisekosten. Es gibt weder ein tagesgeld noch reisekostenerstattung. Ich mache
das, weil ich die arbeit des Rates für wichtig halte. Immerhin hat die
anbindung an das Ministerium für Wirtschaft dafür gesorgt, dass design
endlich aus dem kulturghetto raus ist und ernstgenommen wird als
»richtige« arbeit, nicht nur als schmückende beigabe. Als ich in
das präsidium kam, war ich der einzige kommunikationsdesigner dort und der
Bundespreis (der damals noch Gute Form hiess) wurde nur an industrieprodukte
verliehen. Inzwischen ist akzeptiert und praxis beim Rat, dass auch unsere
arbeit dazugehört. Also werden jetzt auch kollegen und kolleginnen wie HD
und Juli nominiert. Übrigens: unsere schrift für die Deutsche Bahn
wurde dieses jahr auch vorgeschlagen.
4.
Es werden nur arbeiten nominiert,
die vorher schon einen preis woanders gewonnen haben. Damit ist klar, dass
dieses der preis der preise ist. Wer hier benannt wird, hat sich also schon
einmal um einen preis beworben und kann jetzt nicht unschuld vorschützen.
5.
Andere designpreise sind
kommerzielle veranstaltungen. Mir ist es passiert, dass ich in einer jury
aufgefordert wurde, doch eine bestimmte arbeit noch einmal zu würdigen
(obwohl sie schon aus dem wettbewerb war), weil doch der einreicher eine so
tolle firma sei und viel geld für seine einreichungen bezahlt habe. Kein
wunder, dass immer die gleichen namen auftreten und dass auch bei den
wettbewerben der werbeszene immer die gleichen gewinner auftauchen: der druck
auf die juroren ist immens; sowohl von den veranstaltern, als auch von den
kollegen. Es ist enorm schwierig, sich in einer solchen gruppe gegen einen
prominenten einreicher zu wenden, egal, wie die arbeit ist.
Einreichungen
beim ADC oder beim D&AD sind wesentlich teurer als beim Bundespreis. Und
auch dort muss man für einen katalogeintrag immer noch extra bezahlen, denn
die meisten institutionen finanzieren ihre arbeit für den berufsstand aus
den wettbewerben. Das ist beim Bundespreis nicht so, aber irgendjemand muss ja
bezahlen für den gewaltigen aufwand, den es bedeutet, allein für eine
preisverleihung etliche hundert leute und einen minister oder sogar den
Bundespräsidenten einzuladen und zu bewirten.
6.
Ich
zahle seit über 30 jahren beiträge in die sozialkassen. Als leitender
angestellter meiner eigenen firma habe ich aber keinen anspruch auf leistungen,
kriege also auch keine rente. Das ist eben mein solidarbeitrag, weil ich in
einem system wie der Bundesrepublik lebe, in dem andere es nötiger haben
als ich, staatliche zuwendungen zu kriegen. Es ist eben nicht »der
staat«, sondern das sind wir. Warum reden wir immer vom staat, wenn es ums
nehmen geht?
7.
Fazit:
wer an wettbewerben
teilnimmt, muss mit kosten rechnen, weil die institutionen kaum andere
einnahmequellen haben. Wer das geld nicht hat oder nicht ausgeben will, muss
sich für seine eitelkeit andere anlässe suchen. Die anspruchshaltung
an den »Staat« ist einer der gründe, warum die Bundesrepublik
pleite ist. Jeder meint, ansprüche zu haben und versucht dann auch noch,
diesen »Staat« um die steuern zu bescheissen.
Wir sind als
designer sehr privilegiert. Niemand zwingt uns, diesen beruf auszuüben und
keine staatliche institution ist gezwungen uns für unsere
berufsausübung, die ja zuvörderst dem lebensunterhalt dient, auch noch
preise zu verleihen. Grafiker sind keine wohltäter, wofür sollten sie
also belohnt werden, wenn sie nicht einmal bereit sind, in den entsprechenden
institutionen mitzuarbeiten?
Der Bundespreis ist der beste designpreis in
Deutschland; die jury und die bedingungen sind über jeden zweifel erhaben.
Das kann man über kaum einen anderen wettbewerb sagen. Ich habe jedenfall
meine 210 euro für die teilnahme mit freude bezahlt. Und sollte ich
wirklich einen preis gewinnen, werde ich auch die anstehenden 2900 bezahlen.
Damit wäre nämlich nicht nur unser ruhm vergrössert, sondern auch
ein beitrag geleistet zur wahrnehmung einer solch peripheren sache wie
typografie.
Posted: Mo - Juli 24, 2006 at 12:36 vorm.